Übrigens: Der nächste avAtaR erscheint am 1.07.1998 !MACHTÜBERNAHME
!
von Nexo of Kystone


Mit Lara Croft hatte es sich bereits angekündigt - nun ist es Wahrheit

geworden: der Einbruch eines Avatars in die reale Welt. (Siehe dazu

auch Artikel
Im Bett mit Lara in Ausgabe 1/98). Der User Stephan Raab

rief die Geister, die er nun Gefahr läuft, nicht mehr loszuwerden. Und

in Guildo Horn fand er einen Träger für seinen Avatar Alf Igel, program-

miert und konzipiert für das durchaus lobenswerte Unternehmen, dem

deutschen Ranzfettschlager den endgültigen Todesstoß zu versetzen.


F
un-Producer und Viva-Moderator Stephan Raab verdanken wir einen bedeutenden Schritt

in Richtung Annäherung zwischen virtueller und materieller Welt. Bisher schien die letzte

Konsequenz undenkbar, unausführbar: Die Materialisation eines Avatars war bis vor ganz

kurzer Zeit allenfalls Stoff für Science-Fiction-Stoffe zwischen
Tron und Last Action Hero.

Raab hat den Kontakt geschlossen, und das durch eine geniale Assoziation: Wenn ein

Avatar keine eigene Materie hat, mit der er sich auf der körperlichen Welt etablieren kann,

muß eben ein geeigneter Körper gefunden werden, von dem er Besitz ergreifen kann.

Angesichts dieser Erkenntnis erhält man einen anschaulichen Eindruck davon, welche

Filme Raab in der letzten Zeit gesehen haben muß.


E
in geeigneter Wirt war schnell gefunden. In Guildo Horn fand der Musikterrorist eine

Wesenheit vor, die sich selbst bereits für die problemlose Vereinnahmung vorkonfiguriert

hatte: Eine satinglänzende Schmalzheinikarikatur mit schütterem Langhaar und Wabbel-

bauch, gekommen, um mit selbstgeklonten Schlagerphantomen das etablierte Carpendale/

Cordalis-Imperium ins Wanken zu bringen. Doch auch der Meister war - wie die anderen

Vertreter des Schlagerparodistentums - den Weg aller Schnulzen gegangen: Emporgehoben

auf die Woge der unreflektierten Begeisterung einer orientierungslosen Fangemeinde,

korrumpierte sich der Rächer in Lichtgeschwindigkeit vom Herzschmerz-Desperado zum

angepaßten Diplomschnulzi. Gegen sein Publikum hatte Guildo von Anfang an keine Chance

gehabt: Die sich in hysterischem Überlegenheitstaumel selbst feiernde Fangemeinde unterlag

einer monumentalen Selbsttäuschung: Im Glauben, sich als elitäre Verspottungselite über

die Masse der Schlagerfreunde zu erheben, ließ sie sich in Wirklichkeit vom verlogen

anbiedernden Kopfstreichelpotential der großdeutschen Schlagerschleimparty hinterrücks

vergewaltigen und tanzt nun auf Parties mit Orginalplatten aus den Sechzig-Siebzig-Achtzigern.
 



E
in trojanischeres Pferd konnte sich Alf Raab (Stephan Igel?) nicht wünschen. Nicht nur die

feindlichen Soldaten sind in seinem Bauch wohl verborgenen, auch das Pferd selbst ist als

solches nicht zu erkennen. Ja, selbst die feindlichen Heerscharen, die das listige Tier vor dem

Stadttor zurückließen, erscheinen mit den Fahnen der eigene Leute. So also injizierte Raab

dem ahnungslosen Guildo seinen heimtückischen Avatar Alf Igel und rollte das Pferdchen in

Gestalt des Trällermachwerks „Guildo hat Euch lieb" vor die stark bewehrte Schlagerfestung.

Da die Burgbewohner den virtuellen Braten natürlich sofort riechen würden, mobilisierte Raab

seine Streitkräfte: die zu vollgültigen Schlagerzombies mutierten Anhänger ihres Meisters.

Zusammen mit der nicht unwesentlichen Menge herkömmlicher Schlagerliebhaber, die Guildo

Horn von Anfang an für einen der ihren hielten, gelang der Coup. Das trojanische Pferd gelangte

ins Innerste der Schlagerburg. Von dort aus wird es direkt ins Heiligste der europäischen

Schnulzenkloake rollen und dort eines von zwei Ergebnissen erzielen: Entweder den deutschen

Schlager dem aussetzen, was ihm schon seit Jahrzehnten gebührt: internationalem Spott und

endgültiger Verachtung. Oder die Akzeptanz durch die Douce-Point-Mafia, ein Platz auf den

vorderen Rängen und damit die Infektion des gesamten Krankheitsherds. Gut gemacht, Stephan!


U
nd Avatar Igel? Ihm gebührt ewiger Ruhm als dem ersten virtuellen Wesen, das uns seine

Macht hat spüren lassen. Wir sind nicht mehr allein. Wir werden uns die Führungsrolle als

führende Lebensform auf diesem Planeten mit unseren virtuellen Stellvertretern teilen müssen.

Stellverteter? Das war einmal.



Eure Meinung? Euer Kommentar? Eure Anregungen?
Für alles ist Raum im Forum des AVATAR!